Biografie

Anita Ammersfeld

WERDEGANG

Anita Ammersfeld wuchs in Wien und Kanada auf. Ihre Ausbildung zur Opernsängerin begann konventionell:

  • 1963 - 1966 Gesangsstudium am Royal Conservatory of Music in Toronto, Kanada
  • 1967 - 1970 Gesangsstudium am Konservatorium der Stadt Wien
  • 1970 - 1974 Gesangsstudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien
  • 1974 - debütierte sie in der Rolle des Cherubin in Mozarts "Die Hochzeit des Figaro" als damals jüngstes Mitglied des Ensembles der Wiener Volksoper         
  • 1979 - wechselte sie vom Soubrettenfach ins lyrische Sopranfach, in dem sie im deutschsprachigen Raum bekannt wurde. 
  • 1967 - erster Fernsehauftritt in Gerhard Bronners "Showfenster" im Duett mit Georg Danzer und Aufnahme der ersten Schplatte, ebenfs mit Georg Danzer „Du suchst im Spiegel dein Gesicht
  • 1973 - Schplattenaufnahme "Jedes Lied erzählt von Liebe", CBS
  • 1977 - Schplatten-Gesamtaufnahme "Das Nachtlager von Granada" von Conradin Kreutzer, Preiser Records

Anita Ammersfeld verfügt über ein breit gestreutes Repertoire an Opern- und Operettenpartien. Ihre Bühnenverpflichtungen führten sie u.a. nach Mainz, Zürich, München, Luzern, Würzburg, Wiesbaden, Paris, Brüssel, Jerusalem, Braunschweig, Augsburg, Mannheim, St. Gen, Graz und Klagenfurt. Sie trat auch in verschiedenen Fernsehsendungen in Österreich, Deutschland und Belgien auf und legte zahlreiche Tonträger-Einspielungen vor.

wikipedia AnitaAmmersfeld

AUSWAHL CDs  

  • 1999 - Anita Ammersfeld singt jiddische Lieder (1999)
  • 1999 - Ich hab kein scharfes Messer mit Gerhard Bronner, Ethan Freeman (1999)
  • 2000 - Anita Ammersfeld singt Liebeslieder (2000)
  • 2003 - Ich liebe Dich nicht. Eine Hommage an Kurt Weill (2003)
 
 
DIE PRODUZENTIN

Als Anita Ammersfeld Mutter wurde, endete das Leben aus dem Koffer, zu dem ihre zahlreichen Engagements sie "gezwungen" hatten. Es entsprach erdings nicht ihrer Natur, sich nur auf die Mutterrolle zu beschränken. Sie hatte von jeher ihre eigene Vision hinsichtlich musikalischer Qualität und um ihre diesbezüglich hohen Ansprüche umsetzen zu können, gründete sie 1988 das "Musikforum Ammersfeld" und begann zu produzieren. Sie konzentrierte sich hauptsächlich auf jüdische und jiddische Musik und trug wesentlich dazu bei, großen jüdischen Künstlern der Zwischen- und Nachkriegszeit ihre Bedeutung wieder zu geben. Mit weiteren Produktionen - von musikalischer Satire, Chansons, Operette bis zum Schauspiel - bediente sie die unterschiedlichsten künstlerischen Genres. Operettenpotpourri

Das "Leben aus dem Koffer" wurde durch etliche Tourneen reaktiviert. Gastspiele ihrer Produktionen führten sie durch die österreichischen Bundesländer, nach Prag, Berlin, Luxemburg, Jerusalem und in die Arabischen Emirate.

Auswahl ihrer Produktionen in denen sie auch als Protagonistin auf der Bühne stand - Schwerpunkt "jüdische Themen und Musik"

  • „Das Schtetl und so“ (1995), Buch und Regie Heinz Ehrenfreund, mit Heinz Ehrenfreund, Roman Grinberg und den Freijlachs und der Elio Gervasi Dance Company, K&K Theater, Wien
  • „Oj, wie entfernt“, Buch und Regie Heinz Ehrenfreund, Theater Akzent, Wien (1996) youTube
  • „Eine schrecklich nette Mischpoche", Buch und Regie Michaela Scheday, mit Roman Greenberg, Ensembletheater, Wien youTube
  • „Uj jessas, nur net schlag'n" von und mit Gerhard Bronner, Regie Michael Maurer, Rabenhof, Wien (1997) youTube
  • Ocean of Crystals and Tears“, eine Instation von Bernd Fasching, mit Michaela Scheday, Roman Grinberg, Adi Schober, Harald Haslinger im Stephansdom (Westempore), Wien (2000)
  • „Anonyme Jüdische Mütter", Buch und Regie Michaela Scheday, mit Erika Deutinger, Felicitas Morawitz, Karoline Zeisler, Roman Grinberg, Ensemble Theater, Wien (2001) youTube
  • „Von Bis nach Seit - Eine Hommage an Erich Fried“,  Regie Michaela Scheday und Wolfgang Palka, Buch Julia Patuzzi und Wolfgang Palka, mit Michaela Scheday und Elio Gervasi, Festspielhaus St. Pölten und im Alten Kino, Wien (2002) youTube
  • „Ich liebe dich nicht - Eine Hommage an Kurt Weill“, Regie Elfriede Ott, Buch Georg Markus, Haus der Musik, Festspielhaus St. Pölten, Bühne am Steg in Baden (2002) youTube

 

DIE SCHAUSPIELERIN

In weiterer Folge fand Anita Ammersfeld es wäre an der Zeit, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Sie stellte das "Musikforum Ammersfeld" und den Gesang ruhend und wandte sich der ausschließlich sprechenden Zunft zu. Sie spielte mit Felix Dvorak, Elfriede Ott, Fritz Muliar und ab 2005 in Produktionen in ihrem eigenen Theater in der Walfischgasse:

  • „Drunter und Drüber“ von Georges Feydeau, Regie Felix Dvorak, Sommerfestspiele Berndorf (2002)
  • „Paris ist eine Reise wert“ von Guy de Maupassant, Regie Felix Dvorak, Komödienfestspiele Mödling (2003)  youTube
  • „Frühere Verhältnisse“ von Johannes Nepomuk Nestroy, Regie Elfriede Ott, Sommerspiele Burg Liechtenstein (2004)  youTube
  • "Heimat, sweet Heimat" von Charles Lewinsky, Regie Hanspeter Horner, stadtTheater walfischgasse (2006) youTube
  • "Kleine Eheverbrechen" von Eric-Emmanuel Schmitt, Regie Thomas Schendel, stadtTheater walfischgasse (2009) youTube
  • „Der Tod und das Mädchen“ von Ariel Dorfman, Regie Thomas Schendel, stadtTheater walfischgasse (2012) youTube
  • „Halbe Wahrheiten“ von Alan Ayckbourn, Regie Carolin Pienkos, stadtTheater walfischgasse (2013) youTube
  • „Zweifel“ von John Patrick Shanley, Regie Christine Wipplinger, stadtTheater walfischgasse (2015) youTube


 

DIE INTENDANTIN

2005 übernahm Anita Ammersfeld die - umfangreiche - Renovierung und danach die Leitung des stadtTheaters walfischgasse. Unter ihrer Intendanz produzierte und präsentierte das Theater hauptsächlich Auftragswerke von Autoren wie Charles Lewinsky, Peter Patzak, Peter Turrini, Lida Winiewicz und Felix Mitterer, Uraufführungen und österreichische sowie Wiener Erstaufführungen - zum überwiegenden Teil mit Bezug auf gesellschaftliche und politische Ereignisse und Entwicklungen.

Kabarett, eine Gesprächsreihe mit Peter Huemer und hochkarätigen Gästen (u.a. Karl Fürst Schwarzenberg, Joachim Gauck, Gregor Gysi, Arik Brauer, Harald Schmidt, Sophie Freud, Erika Pluhar, Hannes Androsch, Reinhold Messner, Kardinal Christoph Schönborn, Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg u.v.a.m.) und intelligente, oft politische und satirische Stücke auf hohem Niveau vervollständigten den Spielplan.

Anita Ammersfeld gelang es, den Sängerpoeten Herman van Veen mit seiner kongenialen Partnerin, Weltklasse-Gitarristin Edith Leerkes, das schrille, schräg-makabre Briten-Trio The Tiger Lillies und die "Rock-Sex & Drugs-Ära"-Überlebende Marianne Faithfull auf ihre Bühne in die Walfischgasse zu holen.

Das stadtTheater walfischgasse etablierte sich unter ihrer Führung zu einer der besten Einrichtungen in der Wiener Kulturlandschaft. Nach 10 arbeitsintensiven Jahren entschied sich Anita Ammersfeld ihre Intendanz zu beenden, das Theater an die Wiener Staatsoper zu vermieten und in einen neuen Lebensabschnitt zu starten, der ein comeback in künstlerischer Hinsicht nicht ausschließt.

Mann und Sohn der Intendantin sträflich vernachlässigt   youTube 

Ioan Holender präsentiert das stadtTheater walfischgasse "Kul-tour auf Servus TV"  youTube

          Nachlese: Wie es dazu kam, dass Anita Ammersfeld Intendantin wurde -
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Anita Ammersfelds Lebensplan sah nicht vor ein Theater zu leiten. Ihr war durchaus bewusst, dass ein solches Vorhaben mit Schwierigkeiten verbunden wäre und die Tage und Nächte arbeitsbedingt sehr kurz ausfen würden. erdings hatte sie die Rechnung ohne die „anderen“ gemacht. Die „anderen“, das waren:

Robert Jungbluth, ehemaliger Generalsekretär des Bundestheaterverbandes und späterer Josefstadt-Kodirektor; Gerhard Bronner, ehemals Leiter des Theaters in der Walfischgasse als es noch Neues Theater am Kärntnertor hieß; Ronald Leopoldi, Sohn von Hermann Leopoldi, dem Verfasser zahlreicher Gassenhauer, u.a. „Schön is so a Ringelspiel“; und nicht zuletzt Erwin Javor, der stets aktive und innovative Ehemann von Anita Ammersfeld. Diese Herren waren ausgesprochen angetan von der Idee, das ehemalige Kärntnertor-Theater und die darauf folgende - finanziell arg gebeutelte -„Kleine Komödie“ wieder mit Leben und Aufführungen zu füllen.

Robert Jungbluth, leidenschaftlicher Liebhaber des Theaters im gemeinen und des ehemaligen Kärntnertor-Theaters im besonderen versicherte Ammersfeld eloquent, wie wunderbar sie das machen würde und dass er davon überzeugt wäre, welch bereichernde, wertvolle künstlerische Vision sie damit in die Tat umsetzen würde.

Gerhard Bronner betonte, dass er sich nie mehr im Leben ein Theater antun würde, aber die Vorstellung, dass „sein“ Theater“ wieder zum Leben erweckt werden könnte gefiele ihm  ausnehmend gut und er stünde mit Rat und Tat parat wie das zu bewerkstelligen sei.

Ronald Leopoldi sah das musikalische Erbe seines Vaters wieder lebendig werden.

Und Erwin Javor, dem erfolgreichen Unternehmer, gefiel die Idee aus zwei Gründen. Erstens war die künstlerische Direktorin bereits gefunden. Zweitens reizte ihn die Herausforderung, ein Theater wirtschaftlich strukturiert und erfolgreich zu instieren, gerade weil Kulturbetriebe nicht dazu neigen beides zu sein.

Eines Tages war es dann so weit. Die Kleine Komödie, vormals Gerhard Bronners legendäres Kärntnertor-Theater musste Konkurs anmelden und war für eine Übernahme und Neueröffnung verfügbar. Der Startschuss für das stadtTheater walfischgasse: Erwin Javor und Anita Ammersfeld investierten Herz, Euphorie, geistige und körperliche Arbeitskraft und vor em privates Vermögen in die äußerst umfangreiche Renovierung und erarbeiteten ein anspruchsvolles künstlerisches Konzept. Anita Ammersfeld verpflichtete erstklassige deutschsprachige und internationale Autoren, Schauspieler, Kabarettisten, Sänger und Musiker und das Theater entwickelte und etablierte sich zu einer festen Größe in der Wiener Kulturszene – bis mit der letzten Vorstellung am 8. Mai 2015 Anita Ammersfeld ihre Ära und die ihres stadtTheaters walfischgasse beendete.

 
EHRUNGEN
  • Verleihung "Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien" durch Kulturstadtrat Dr. Mailath-Pokorny (2015) Anita Ammersfeld, Seele des stadtTheaters walfischgasse, vergoldet
  • Ehrung der Wirtschaftskammer Österreich für ihre Verdienste in der Wiener Kultur- und Freizeitwirtschaft (2008)
  • Verleihung "Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien" durch Kulturstadtrat Dr. Mailath-Pokorny (2002) Rede Anita Ammersfeld
  • Verleihung Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich durch den Bundespräsidenten in Anerkennung ihrer zahlreichen Konzerte im Ausland, sowie für ihre Verdienste und ihren Beitrag zur Förderung des Verständnisses der jüdischen Kultur (1995)

 

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